Zusammenfassung des Gesprächsthemas ‚Vorteile und Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer‘ vom Treffen der Initiative Grundeinkommen Berlin am Mo, 25.09.2017

Im Rahmen der regelmäßigen offenen Treffen der Initiative Grundeinkommen Berlin wurde sich am Montag, 25.09.2017, dem Gesprächsthema:
„Was könnten in einem Gesellschaftssystem mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen Vorteile und Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer (bezogen auf die heutige soziale Marktwirtschaft in der europäischen Union) sein?“
in Form eines Brainstormings gewidmet.

Dabei wurden folgende potentielle Vorteile und Nachteile zusammengetragen:

-> Vorteile für Arbeitgeber:
– 1) motiviertere und weniger kranke Arbeitnehmer und dadurch mehr/bessere qualitativere effizientere produktivere Arbeit und nicht soviel Kontrolle/Überwachung der Arbeitnehmer durch Arbeitgeber nötig sowie mehr Vertrauen
– 2) Arbeitnehmer konzentrieren sich auf eine Sache/Arbeit und benötigen nicht zwei oder mehrere Jobs/Arbeit um den Lebensunterhalt zu verdienen
– 3) mehr Angebot=Nachfrage z.B. bei Gehälter aushandeln (so dass es auch dazu kommen könnte dass ein Arbeitnehmer zahlt um beim Arbeitgeber arbeiten zu dürfen)
– 4) mehr Verhandlungsfreiheit
– 5) weniger Regulierungen bei den Arbeitsverträgen und Kündigungen durch Gesetz, Gewerkschaft u.ä. z.B. bei Mindest-Urlaubstage, Maximal-Arbeitsstundenzahl (am Tag oder pro Woche), Mindestlohn, Kündigungsfristen, u.ä.
– 6) Flexibilisierungen in vielen Bereichen und damit auch in Dienstleistungen und Produkten mit Einfluss auf Digitalisierung, Automatisierung, Arbeitsteilungen, Baukastensysteme, Fortschritt o.ä. so dass neue Geschäftsfelder für Arbeitgeber
– 7) vereinfachende Steuerregelungen, da weniger Gerechtigkeit nötig
– 8) Wegfall diverser sozialer Einzelsicherungen und dessen entsprechendem bürokratischen Aufwand
– 9) in einigen Branchen niedrigere Löhne
– 10) bekommen ebenfalls das Bedingungslose Grundeinkommen (sofern natürliche Person und keine juristische Person/Unternehmen) so dass geringerer Druck auf Gewinnerzielungsabsicht besteht

-> Nachteile für Arbeitgeber:
– 11) sich um Arbeitnehmer bemühen; mehr Wettbewerb um Arbeitnehmer zwischen den Arbeitgebern um diese einerseits zu bekommen und andererseits auch an sich zu binden und zu halten
– 12) mehr Organisations-/Verwaltungsaufwand durch mehr verschiedene individuelle Arbeitsverträge
– 13) höhere Einarbeitungszeit/Anlernzeit von Arbeitnehmern in Relation zur kürzeren durchschnittlichen Verweildauer der Arbeitnehmer in Unternehmen aufgrund höherer Fluktuation
– 14) höherer KnowHow-/Wissens-Verlust von Arbeitnehmern aufgrund höherer Fluktuation
– 15) Mangel an Fachkräften
– 16) in einigen Branchen höhere Löhne

-> Vorteile für Arbeitnehmer:
– 17) soziale Absicherung; keine zwingende Abhängigkeit und Ausnutzen dieser durch den Arbeitgeber
– 18) motivierter bei der Arbeit durch einen eigenen Grund und Interesse für die Arbeit und kein ‚Muss‘ zum Überleben
– 19) Konzentration auf eine Sache/Arbeit (und nicht zwei oder mehrere Jobs/Arbeit gleichzeitig nötig um den Lebensunterhalt zu verdienen)
– 20) (auf Grund motiviertere Arbeitnehmer, die einen Grund für die Arbeit haben) mehr sozialere Arbeit und mehr Miteinander bzw. Gemeinschaft bei der Arbeit durch weniger Neid auf andere Arbeitnehmer und weniger Mobbing o.ä.
– 21) soziales Arbeitsklima besser
– 22) mehr Angebot=Nachfrage z.B. bei Gehälter aushandeln
– 23) mehr Verhandlungsfreiheit- und -macht
– 24) bessere Arbeitsplätze und -angebote da der Arbeitgeber mehr um die Arbeitnehmer wirbt um diese einerseits zu bekommen und andererseits auch an sich zu binden und zu halten (eventuell z.B. Arbeitsplätze für Linkshänder, Kindertagesstätten anbietet, Kantinen und Raucherlounges einrichtet, Freizeit-/Pausen-Angebote, etc.)
– 25) Arbeitnehmer muss nicht mehr lange Arbeitswege/Fahrtdauer in Kauf nehmen
– 26) mehr Freiheiten durch flexiblere Arbeitsmodelle so dass an seine Lebensgewohnheiten/-bedürfnisse anpassbar z.B. in Gesamtstundenzahl (1-70 h/Woche oder mehr), Tagesanzahl (1-7 Tage/Woche), Bezahlform (z.B. nur reine Arbeitszeit ohne Krankheits-/Urlaubstage/Wochenenden/Feiertage oder Ganzjährig inklusive Diesem), Kündigungsmodalitäten (Fristen, Gründe)
– 27) biografische Freiheit z.B. „Sabaticals“, Familienarbeit etc.; nicht mehr für den „Lebenslauf“ arbeiten müssen so dass Lücken im Lebenslauf nicht von Nachteil sind
– 28) verschiedene Berufe in Ruhe ausprobieren und wechseln können
– 29) vereinfachende Steuerregelungen, da weniger Gerechtigkeit nötig
– 30) Gehalt muss nicht mehr ‚zum Überleben‘ für die Lebensgrundbedürfnisse verwendet werden, da durch das Bedingungslose Grundeinkommen bereits gedeckt
– 31) geringere Angst vor Fortschritt bei Digitalisierung, Automatisierung, Industrie 4.0, u.ä.
– 32) in einigen Branchen höhere Löhne
– 33) mehr Gewinnbeteiligung (volkswirtschaftlich gesehen)

-> Nachteile für Arbeitnehmer:
– 34) sehr viel mehr Eigenverantwortung, sein an seine Lebensgewohnheiten/-bedürfnisse passendes Arbeitsmodell zu erkennen und umzusetzen
– 35) übermotivierte Arbeitnehmer, die mehr arbeiten als sie können (Arbeitssucht/Workaholic)
– 36) in einigen Branchen niedrigere Löhne

-> ohne Kategorie/neutral:
– 37) die durchschnittliche Verweildauer der Arbeitnehmer in Unternehmen kürzer (aufgrund höherer Fluktuation)
– 38) Sphären ‚(Erwerbs)Arbeit‘ und ‚Freizeit‘ würden je nach persönlichem Arbeitsgrund mehr miteinander verschwimmen und nicht mehr eindeutig abgrenzbar voneinander sein
– 39) mehr Flexibilität bei Neugründungen von Kleinunternehmer (Wechsel von einer Arbeitnehmer-Existenz zu einer Arbeitgeber-Existenz)

Wer weitere potentielle Vorteile und Nachteile dazu beitragen möchte, ist dazu eingeladen, diese über die Kommentarfunktion auf der Webseite www.grundeinkommen-berlin.de und/oder Facebookseite www.facebook.com/Initiative-Grundeinkommen-Berlin-451384891911396/ der Initiative Grundeinkommen Berlin zu ergänzen.

Der Hintergrund für dieses Gesprächsthema ist, dass das Bedingungslose Grundeinkommen grundlegende Veränderungen im Gesellschaftssystem und insbesondere auch im Wirtschafts- und Arbeitssystem beim ‚Arbeitgeber‘ und ‚Arbeitnehmer‘ hervorruft, so dass man sich mit all seinen dadurch hervorgerufenen Chancen und Risiken konkret auseinandersetzen sollte, sowie damit die Unternehmer und arbeitende Bevölkerung davon überzeugen zu können, indem man diese nicht nur über Vorteile sondern auch die damit verbundenen Nachteile offen aufklärt.

Da der Unternehmer letztlich auch nur ein Mensch ist und Unternehmen sich ihrer Umgebung entsprechend anpassen, dürften die Nachteile für Arbeitgeber weniger schwer wiegen als der nicht zu unterschätzende Nachteil für Arbeitnehmer, die mit der viel größeren Freiheit verbundenen sehr viel stärkeren Eigenverantwortung, sein an seine Lebensgewohnheiten/-bedürfnisse passendes Arbeitsmodell zu erkennen und umzusetzen. Allerdings ist dafür auch u.a. die Familie, Gesellschaft und Gemeinschaft bzw. Politik dar, sich gegebenenfalls wenn nötig und gewünscht sich gegenseitig zu helfen und unterstützen und nicht allein zu lassen und den Umgang mit diesem Mehr an Freiheit zu erlernen. Das Bedingungslose Grundeinkommen schafft nicht die Gesellschaft, Staat und Politik ab, sondern gibt dieser nur eine andere Ausgangsbasis.

Initiative Grundeinkommen Berlin


„Bedingungslose Grundeinkommen“ im Sinne der Definition des Netzwerk Grundeinkommen www.grundeinkommen.de/die-idee mit den 4 Kriterien:
„Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll
– die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen,
– einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie
– ohne Bedürftigkeitsprüfung und
– ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.“

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